Chro­nik

Chro­nik
Obst- und Gar­ten­bau­ver­ein Weidhausen

Weid­hau­sen ist 1886 ein Ort mit etwa 1.200 Ein­woh­nern. Neben der Land­wirt­schaft ver­die­nen sich vie­le Ein­woh­ner ihren Lebens­un­ter­halt durch die Korb­flech­te­rei. Am 08.08.1886 grün­de­te sich in unse­rem Ort der Ver­ein zur Hebung der Obst­baum­zucht sowie des Gar­ten­baus und der Bie­nen­zucht. Die Geneh­mi­gung der Ver­eins­grün­dung erfolg­te von her­zog­li­cher Sei­te aus am 13.08.1886. Ers­ter Ver­eins­vor­sit­zen­der war Leh­rer Ehr­hard Langbein. 

1906 wur­den auf Anre­gung der her­zog­li­chen Ver­wal­tung vie­le wei­te­re Obst- und Gar­ten­bau­ver­ei­ne im Her­zog­tum gegrün­det, vor­her bestan­den im Lan­des­teil Sach­sen-Coburg ledig­lich die Ver­ei­ne in Coburg, Gestungs­hau­sen, Son­ne­feld und Weid­hau­sen. So wie in ande­ren Ort­schaf­ten fand am 17.06.1906 in Weid­hau­sen eine Ver­samm­lung statt, um einen Lan­des­obst­bau­ver­ein zu grün­den. Nur weni­ge Weid­häu­ser tra­ten die­sem bei. In der Mit­glie­der­ver­samm­lung am 08.05.1908 wur­de Leh­rer Emil Weiß­brod zum neu­en 1. Vor­sit­zen­den des Zweig­ver­eins Weid­hau­sen vom Lan­des­obst­bau­ver­ein im Her­zog­tum Coburg gewählt. Leh­rer Lang­bein wur­de stell­ver­tre­ten­der Vorsitzender. 

30.05.1911, Mit­glie­der­ver­samm­lung. Der Zweig­ver­ein Weid­hau­sen beschloss den Aus­tritt aus dem Lan­des­ver­band. Die Ver­samm­lung wünsch­te eine Ver­ei­ni­gung mit dem ört­li­chen Gar­ten­bau­ver­ein. Nach­dem 1912 der Zweig­ver­ein Son­ne­feld Anspruch auf das Ver­mö­gen des Weid­häu­ser Zweig­ver­eins erhob, ver­blieb der Zweig­ver­ein Weid­hau­sen im Ver­band. 1912 erfolg­te dann doch der Zusam­men­schluss des Zweig­ver­eins Weid­hau­sen vom Lan­des­obst­bau­ver­ein mit dem ört­li­chen Gar­ten­bau­ver­ein. Ver­eins­lo­kal war damals der Gast­hof „Zur gol­de­nen Kro­ne“ (heu­te „Alte Post“). Am 05.10.1913 wur­de erst­mals eine Obst­aus­stel­lung abgehalten. 

Nach­dem am 01.08.1914 der Ers­te Welt­krieg aus­ge­bro­chen war, for­der­te die Regie­rung 1915 alle Obst­bau­ver­ei­ne auf, Obst zur Zube­rei­tung von Mar­me­la­de und Frucht­saft für die ver­wun­de­ten Krie­ger abzu­lie­fern. Am 06.09.1915 wur­den 262 kg Obst, haupt­säch­lich Äpfel, vom Obst­bau­ver­ein Weid­hau­sen gesam­melt und nach Coburg gesandt. Am 12.09.1916 hielt der Obst­bau­ver­ein Weid­hau­sen eine Pilz­aus­stel­lung ab, um zu zei­gen, wie Pil­ze einen Aus­gleich zur fleisch­ar­men Kost in den Kriegs­jah­ren ergeben. 

1919 ergab sich ein erneu­ter Vor­stands­wech­sel. In der Ver­samm­lung am 05.06.1919 wur­de Rein­hard Mar­tin 1. Vor­sit­zen­der, der bis­he­ri­ge Vor­sit­zen­de Emil Weiß­brod zum 2. Vor­sit­zen­den gewählt. Regel­mä­ßi­ge Monats­ver­samm­lun­gen sol­len den Ver­ein auf dem Lau­fen­den halten. 

Am 18.04.1925 wur­de Ste­phan Eyrich neu­er 1. Vor­sit­zen­der. Zur Kirch­weih hielt der Ver­ein eine Aus­stel­lung mit Prä­mie­rung ab. 1926 glaub­te man im Ver­ein, 20 Jah­re alt zu sein, da die älte­ren Unter­la­gen fehl­ten. Der Obst- und Gar­ten­bau­ver­ein erhielt im Herbst 1926 ein Feld von ca. 250 qm zwi­schen Möd­lit­zer und Trü­ben­ba­cher Stra­ße, um eine Baum­schu­le ein­zu­rich­ten. Nach­dem Vor­sit­zen­der Ste­phan Eyrich Weid­hau­sen ver­ließ, wur­de an der Mit­glie­der­ver­samm­lung am 04.04.1927 Wil­helm Carl zum Vor­sit­zen­den gewählt. Eine Son­der­zug­fahrt führ­te 40 Weid­häu­ser Mit­glie­der von Coburg nach Erfurt. 1928 erwarb der Gar­ten­bau­ver­ein eine Dosen­ver­schluss­ma­schi­ne für 210 RM, von der in den Fol­ge­jah­ren reger Gebrauch gemacht wur­de. 1929 zähl­te der Ver­ein 50 Mit­glie­der. Und 1930 wur­de eine Lehr­fahrt nach Wei­mar unter­nom­men. Zur Jah­res­haupt­ver­samm­lung am 20.03.1932 wur­de Ernst Diet­zel zum neu­en Vor­sit­zen­den gewählt. Die Baum­schu­le wur­de zum Lehr- und Ver­suchs­gar­ten und im April 1932 über­nahm Erich Engel das Amt des 2. Vorsitzenden. 

Am 19.02.1933 erfolg­te der Beschluss, zu jeder Jah­res­haupt­ver­samm­lung den anwe­sen­den Mit­glie­dern eine Brat­wurst aus der Ver­eins­kas­se zu spen­die­ren, was bis heu­te auf­recht erhal­ten wird. Nach­dem die „neue Zeit“ ange­bro­chen war, wur­den 1934 die Obst- und Gar­ten­bau­ver­ei­ne in den Reichs­nähr­stand auf­ge­nom­men. Die Ver­samm­lun­gen hat­ten von nun an „Arbeits­ta­gun­gen“ zu hei­ßen. 1937 wur­de zur Bekämp­fung der Sper­lings­pla­ge eine „Abschus­sprä­mie“ von 10 Rpf. für jeden erschos­se­nen Sper­ling vom Ver­ein bezahlt. 1939 erneut ein Wech­sel in der Vor­stand­schaft. Erich Engel wur­de 1. Vor­sit­zen­der, der bis­he­ri­ge Vor­sit­zen­de Ernst Diet­zel sein Stell­ver­tre­ter. 1939 schaff­te sich der Ver­ein einen Süß­most­ap­pa­rat für 142 RM an. Immer mehr Mit­glie­der wur­den zur Wehr­macht ein­ge­zo­gen. Den­noch wur­den in den Jah­ren 1940 und 1941 mit der Dosen­ver­schluss­ma­schi­ne über 7.000 Dosen Obst und Gemü­se ver­schlos­sen. 1943 wur­de das „Gol­de­ne Eich­horn“ Ver­eins­lo­kal. Am 18.03.1945 war die letz­te Mit­glie­der­ver­samm­lung im Krieg. An die Anwe­sen­den wur­den Samen ver­teilt, von der Ver­eins­wir­tin erhielt jedes Mit­glied ein Glas Bier. Am 12.04.1945 mar­schier­ten ame­ri­ka­ni­sche Trup­pen in Weid­hau­sen ein. 

In der ers­ten Jah­res­haupt­ver­samm­lung nach dem Krieg am 11.02.1946 erfolg­te die Wahl von Alfred Bechauf zum 1. Vor­sit­zen­den, Rein­hold Hoff­mann wur­de zu sei­nem Stell­ver­tre­ter gewählt. Nach den Bestim­mun­gen der Mili­tär­re­gie­rung muss­te nach dem Krieg jeder Ver­ein neu gegrün­det wer­den. Dies erfolg­te bei der Gene­ral­ver­samm­lung am 16.08.1947, wobei Rein­hold Hoff­mann zum neu­en Vor­sit­zen­den gewählt wur­de. 1947 hat­te der Ver­ein 106 Mitglieder. 

Eine Kri­se über­wand der Ver­ein 1950, als die Auf­lö­sung man­gels Unter­stüt­zung durch die Mit­glie­der droh­te. Ernst Lührs wur­de am 17.12.1950 neu­er 1. Vor­sit­zen­der. 1951 war die Mit­glie­der­zahl wie­der auf 78 Per­so­nen gesun­ken. Am 03.11.1951 hielt der Gar­ten­bau­ver­ein erst­mals eine Kaf­fee­ta­fel im Saa­le Bau­er ab. Dazu spiel­te die Tanz­ka­pel­le Geß­lein auf. Noch 1953 wur­de durch einen Ein­trag im Pro­to­koll­buch bestä­tigt, dass das Grün­dungs­jahr 1913 ist, weil das ers­te Pro­to­koll­buch noch nicht auf­ge­fun­den war. Ab 21.03.1953 konn­ten alle Infor­ma­tio­nen des Ver­eins im neu­en Mit­tei­lungs­blatt der Gemein­de ver­öf­fent­licht werden. 

Am 19.06.1955 wur­de Hel­mut Rosen­bau­er neu­er Ver­eins­vor­sit­zen­der, sein Stell­ver­tre­ter Edmund Eyrich orga­ni­sier­te vie­le Ver­eins­aus­flü­ge. So ging es 1955 nach Veits­höch­heim, 1956 nach Bad Kis­sin­gen, 1957 in die Frän­ki­sche Schweiz und 1958 nach Rothen­burg. 1958 zähl­te der Ver­ein wie­der über 100 Mit­glie­der. Bei Nach­for­schun­gen im Lan­des­ar­chiv Coburg im Jahr 1961 wur­de fest­ge­stellt, dass die Grün­dung des Ver­eins bereits 1886 erfolg­te. Mit einem Jahr Ver­spä­tung fei­er­te man am 22. und 23.09.1962 das 75jährige Jubi­lä­um im Saa­le Bau­er. 1964 betei­lig­te sich der Ver­ein an der Bepflan­zung der Außen­an­la­ge der neu­en Schu­le. 1965 wur­de die mitt­ler­wei­le 40 Jah­re alte Dosen­ver­schluss­ma­schi­ne aus­ge­mus­tert, die bis dahin gute Diens­te geleis­tet hat­te. 1967 stif­te­te Ehren­mit­glied Alfred Bechauf zu sei­nem 75. Geburts­tag eine Ver­eins­glo­cke. Am 14.04.1967 star­te­te unter Anlei­tung von Kreis­fach­be­ra­ter Con­ze einer der ers­ten Obst­baum­schnitt­kur­se des Gar­ten­bau­ver­eins. Das 80jährige Jubi­lä­um beging der Ver­ein 1967 mit einem Ehrungs­abend. 1969 gewann die Gemein­de den ers­ten Preis beim Wett­be­werb „Das schö­ne­re Dorf“. Der Sie­ger­brun­nen wur­de 1972 am Jahns­platz ein­ge­weiht. Im glei­chen Jahr fei­er­te der Ver­ein sein 85jähriges Jubi­lä­um mit einem Wein­fest. Im Ort wur­de ein Wett­be­werb „Blu­men­schmuck zu den Olym­pi­schen Spie­len 1972“ durchgeführt. 

In der Jah­res­schluss­ver­samm­lung 1974 ver­lieh der Ver­ein vie­len Mit­glie­der Ihre Ehrung für Ihre 40jährige Ver­eins­treue. Hel­mut Her­trich wur­de neu­er 2. Vor­sit­zen­der des Ver­eins. Zum Tag des Bau­mes am 15.04.1974 pflanz­te der Gar­ten­bau­ver­ein an der Wan­der­hüt­te drei Kas­ta­ni­en. 25 Preis­trä­ger erhiel­ten 1974 Blu­men­schmuck­prä­mie­run­gen. Zum 31.12.1974 zähl­te der Ver­ein 153 Mit­glie­der. Seit 01.05.1975 führt der Obst- und Gar­ten­bau­ver­ein bis heu­te all­jähr­lich eine 1. Mai-Wan­de­rung durch. Die Wan­de­rung 1975 ging zur Görit­zen­quel­le. 1977 zähl­te der Ver­ein 200 Mitglieder. 

In den 1980er Jah­ren lud der Gar­ten­bau­ver­ein zusam­men mit den Tell-Schüt­zen zum Ver­eins­ball in den Saal Bau­er ein. 14 Bäu­me und 100 Zier­sträu­cher wur­den 1981 an der Let­ten­reu­ther Stra­ße gepflanzt. 1982 zähl­te der Ver­ein 300 Mit­glie­der. Am 10.01.1983 wur­de der Ver­ein vom Finanz­amt Coburg als gemein­nüt­zig aner­kannt. 1985 konn­te das 350. Mit­glied im Ver­ein begrüßt und mit den Gar­ten­bau­freun­den aus Ber­lin im Saa­le Bau­er ein Frän­ki­scher Abend ver­an­stal­tet wer­den. 1985 lie­fen die Pla­nun­gen für das 100jährige Jubi­lä­um auf Hoch­tou­ren. Ein Gehölz­lehr­pfad an der Schul­sport­an­la­ge wur­de im Jubi­lä­ums­jahr 1986 ein­ge­weiht, eben­so wur­de die Pla­nung und Bepflan­zung des Schul­gar­tens unter­stützt. Das 100jährige Jubi­lä­um fei­er­te der Ver­ein am 13. und 14.09.1986 mit einer zwei­tä­gi­gen Aus­stel­lung in der Schu­le und einem Festabend. 

1992 wur­de Wigand Die­sel 1. Vor­sit­zen­der des Obst- und Gar­ten­bau­ver­eins Weid­hau­sen. In den 90er Jah­ren erhielt der Ver­ein einen Bau­ern­gar­ten in der Orts­mit­te, der von den Vor­stands­mit­glie­dern gepflegt wird. Der Ver­ein ist all­jähr­lich mit einem Stand am Kirch­weih­markt ver­tre­ten. 1999 wur­de die Sat­zung über­ar­bei­tet und an der Jah­res­haupt­ver­samm­lung ver­ab­schie­det. Wei­ter­hin führ­te der Ver­ein Aus­flü­ge, Wein­fes­te, Baum­schnitt­kur­se und Lehr­aben­de durch. Die Mit­glie­der haben die Mög­lich­keit, die Gar­ten­ge­rä­te des Ver­eins aus­zu­lei­hen. Nach der EURO-Ein­füh­rung 2002 setz­te man den Mit­glieds­bei­trag auf 7 EUR fest. 2004 betei­lig­te sich der Ver­ein am Auf­bau des Kreis­lehr­gar­tens am Land­rats­amt Coburg. 2005 wur­de der 1986 ange­leg­te Gehölz­lehr­pfad an der Schu­le erneu­ert. Seit 2007 besteht die Mög­lich­keit einer Fami­li­en­mit­glied­schaft, um so den rück­läu­fi­gen Mit­glie­der­zah­len ent­ge­gen­zu­wir­ken. Ab 2008 wer­den all­jähr­lich Jugend­ak­tio­nen, wie z. B. Bau eines Sin­nes­pfa­des, eine his­to­ri­sche Wan­de­rung in Weid­hau­sen oder der Bau von Nist­hil­fen, vom Ver­ein durch­ge­führt. Seit 2009 ist der Ver­ein unter der Inter­net­adres­se www.ogv-weidhausen.de prä­sent. 2011 zählt der Obst- und Gar­ten­bau­ver­ein Weid­hau­sen 300 Mitglieder. 

Autor: Die­ter Freitag